Fragen & Antworten
Kalibrierintervall:
Dieses Thema ist in der DIN 51309:22 geregelt; nachfolgend ein entsprechender Auszug:
„6.3.2 Rekalibrierung Die Gültigkeitsdauer des Kalibrierscheines beträgt maximal 26 Monate. Kürzere Kalibrierintervalle sind sinnvoll, wenn besondere Anforderungen an die Rückführung gestellt werden oder wenn dies zur Erfüllung besonderer Qualitätssicherungsstandards erforderlich ist. Das Drehmomentmessgerät ist zu rekalibrieren, wenn
- es einer Überlastung ausgesetzt worden ist, die größer als die bei der Überlastungsprüfung ist (siehe 5.1.2),
- nachdem eine Instandsetzung stattgefunden hat oder
- nach einer unsachgemäßen Handhabung, die Einfluss auf die messtechnischen Eigenschaften oder die Messunsicherheit haben kann.“
Sofern die Anforderungen an die Rückführung unkritisch sind und keine weiteren Auffälligkeiten vorliegen, kann das Rückführungsintervall auf bis zu 26 Monate verlängert werden. Dabei ist jedoch zwingend zu beachten, dass die Kalibrierung innerhalb dieses 26‑Monats‑Zeitraums
Messbereich bei Drehmomentvervielfältiger:
Die meisten Drehmomentvervielfältiger weisen eine sogenannte Sollbruchstelle auf, um das Getriebe vor einer Überlastung zu schützen. Wird das Gerät aber in der normalen Handhabung immer nur für ein und denselben Schraubfall (Bsp. nur Rechtsdrehmoment bis 50% des maximalen Drehmoments) genutzt, kann diese Sollbruchgrenze sich stark verlagern. Besonders häufig tritt dieses Problem bei entgegengesetztem Drehmoment auf, bei dem Beispiel von oben wäre es die Belastung für Linksdrehmoment. Daher ist es sinnvoll nur den Drehmomentmessbereich kalibrieren zu lassen, der dann auch so von dem Endkunden genutzt wird, dass erspart Kosten für die Messung selbst und das Risiko einer Reparatur die kundenseitig erfolgen muss.
Einschränkung bei einseitig abgestützten Drehmomentvervielfältigern:
Konstruktionsbedingt können nur gekrümmte Abstützungen mit einem Mindestabstand von 12 cm (siehe Zeichnung) auf der Kalibriereinrichtung gemessen werden.
Sollte dies nicht der Fall sein, muss eine gerade Abstützung (Hebelarm) mitgeliefert werden.
Konformitätsaussage auf Kalibrierschein:
Ob ein Drehmomentsensor für den Einsatz beim Kunden geeignet ist, kann ausschließlich der Kunde selbst beurteilen. Grundlage dafür sind seine eigenen Anforderungen, Grenzwerte, Einsatzbedingungen und Qualitätsstandards. Eine allgemeine Konformitätsaussage durch das Kalibrierlabor ist bei mechanischen Prüfmitteln nicht möglich, da viele unterschiedliche Prüfkriterien und Einflussgrößen eine Rolle spielen.
Mechanische Drehmoment‑Prüfmittel besitzen mehrere messrelevante Eigenschaften (z. B. Linearität, Hysterese, Wiederholbarkeit, Temperaturverhalten). Eine einzige pauschale Aussage „konform / nicht konform“ würde diese Komplexität nicht abbilden.
Daher kann ein Kalibrierlabor keine generelle Konformität nach Herstellerspezifikation oder ähnlichen allgemeinen Vorgaben bestätigen.
Es gibt zwei Wege, wie der Kunde eine Konformitätsbewertung ableiten kann:
- Geräteklassen im Kalibrierschein
In Kalibrierscheinen nach DIN 51309, DKD‑R 3‑7 oder DKD‑R 10‑8 werden Geräteklassen ausgewiesen (siehe Tabelle 8.2).
Diese Klassen kann der Kunde als Grundlage für seine eigene Konformitätsentscheidung nutzen.
- Verifikation eines einzelnen Parameters
Bei Bestellung kann eine gezielte Bewertung eines einzelnen Parameters erfolgen, z. B. der Umkehrspanne.
Dafür benötigt das Labor:
- die Entscheidungsregel,
- den konkreten Parameter,
- die Grenzgröße, die bewertet werden soll.
Allgemeine Aussagen wie „nach Herstellerspezifikation“ werden nicht akzeptiert.
Für die internen Verfahren VA05, VA06, VA07 und VA08 werden grundsätzlich keine Konformitätsaussagen erstellt.
Beschwerdemanagement
Nachweis der Rückführung der Referenzen:
Der Nachweis der Rückführbarkeit ist für Kunden bereits vollständig abgedeckt, da alle Messungen in unserem Haus als akkreditierte Kalibrierungen durchgeführt werden. Durch die Akkreditierung ist die Rückführung auf nationale Normale formal und technisch sichergestellt – ein zusätzlicher Nachweis ist daher nicht erforderlich.
Wir investieren kontinuierlich in hochpräzise Referenzen, spezielle Messmittel und aufwendige interne Verfahren, um die Rückführbarkeit gegenüber der DAkkS jederzeit eindeutig belegen zu können. Unsere besonders kleinen Messunsicherheiten wären mit Standard‑Methoden nicht erreichbar. Aus diesem Grund bitten wir um Verständnis, dass wir interne Prozessdetails nicht offenlegen können – sie sind Teil unseres akkreditierten Qualitäts- und Kompetenznachweises.
Elektro- oder Druckluftschraubwerkzeuge:
Elektro‑ und Druckluftschrauber erzeugen dynamisches Drehmoment, während alle anerkannten Kalibriernormen ausschließlich einen statischen bzw. quasistatischen Kalibrierablauf voraussetzen. Daher gelten diese Werkzeuge fachlich nicht als kalibrierfähig im Sinne einer normgerechten, akkreditierten Kalibrierung. VDI/VDE‑Verfahren für Schraubtechnik sind reine Prüfverfahren, die das Verhalten eines Schraubers bewerten, aber keine rückführbare Kalibrierung abbilden. Diese Prüfverfahren sind allerdings auch nur als „Prüflabor“ akkreditiert durchführbar.
Das tatsächlich erreichte Drehmoment hängt stark vom konkreten Schraubfall ab und wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst, etwa Gewindegröße, Schmierung, Unterlegscheibenmaterial, harter oder weicher Schraubfall sowie die Spannlänge der Schraube. Diese Einflüsse sind oft größer als die Messunsicherheit des Werkzeugs selbst, sodass ein standardisiertes Laborverfahren keine realistische Aussage über den späteren Einsatz liefern kann.
Wenn eine rückführbare Bewertung benötigt wird, sollte der Schraubfall selbst berücksichtigt werden. Fachlich korrekt ist eine Prüfung unter definierten, einsatznahen Bedingungen, die exakt dem späteren Anwendungsfall entsprechen. Nur so entsteht ein Ergebnis, das für den realen Prozess wirklich belastbar ist.
Werkskalibrierungen:
Ein Werkskalibrierschein dokumentiert die Ergebnisse einer Kalibrierung, die ohne Überwachung durch eine Akkreditierungsstelle durchgeführt wurde. Er wurde ursprünglich dafür geschaffen, anwendungsspezifische Kalibrierungen zu ermöglichen, wenn standardisierte Verfahren nicht zum realen Einsatz des Messmittels passen. Wichtig ist: Ein Werkskalibrierschein enthält keine direkte Rückführung auf nationale Normale. Fehlt zudem eine dokumentierte Messunsicherheit, ist er aus metrologischer Sicht nicht verwertbar.
Aus fachlichen Gründen bieten wir Werkskalibrierungen daher nur in begründeten Ausnahmefällen als individuelle Sonderlösung an. Der technische und organisatorische Aufwand entspricht dem einer akkreditierten DAkkS‑Kalibrierung, sodass sich daraus kein finanzieller Vorteil ergibt. Für eine verlässliche, rückführbare und normgerechte Bewertung ist die akkreditierte Kalibrierung weiterhin der qualitativ beste und fachlich korrekte Weg.
Verkürztes Verfahren nach VDI/VDE-2646:
Verkürzte Kalibrierverfahren erfordern Kenntnisse zu typspezifischen Kennwerten für die Messunsicherheitsberechnung. Solche Verfahren sind in der VDI/VDE-Richtlinie 2646 beschrieben. In der Regel können nur Hersteller von Drehmomentsensoren statistisch belegte Abschätzungen vorlegen und damit die Voraussetzungen einer möglichen Akkreditierung dieses Verfahrens erfüllen.
Unterschied zwischen der DIN51309: 2022-08 und EA-10/14 (EURAMET cg-14/v.2.0: 2011):
In der Prozedur selbst gibt es keinen nennenswerten Unterschied. Die marginalen Unterschiede finden sich nur in den Berechnungen. Grundsätzlich ist zu sagen, dass die DIN51309: 2022-08 etwas konservativer aber dafür deutlich ausführlicher ist.
DIN 51309: 2022-08 EA cg-14/v.2.0: 2011 Erklärung getrennt Fall I & Fall II Nur Fall I Die Hysterese h wird für die Messunsicherheit nicht betrachtet b = maximaler Fehler b = mittlerer Fehler Vergleichpräzision (Wiederholbarkeit) h = maximaler Fehler h = mittlerer Fehler Umkehrspanne / Hysterese f0 = wird in der Messunsicherheit mitbetrachtet f0 = wird in der Messunsicherheit nicht mitbetrachtet Rückkehr zur Null / Nullpunktabweichung b‘ & b Rechteckverteilung b‘ & b Normalverteilung Verteilungsfunktion für die Betrachtung der Messunsicherheit Auslösende Drehmomentschraubwerkzeuge (ISO 6789-2: 2017-07):
Leider müssen wir ihnen mitteilen, dass wir seit April 2018 keine Kalibrierungen für auslösende Drehmomentschraubwerkzeuge und Drehmomentschlüssel anbieten bzw. durchführen. (aufgrund der geänderten Kalibriernorm DIN ISO 6789).
Bitte informieren sie sich vor Einsendung ihrer Geräte über Machbarkeit, Kosten und Lieferzeit.
Kennwerte in Kalibrierscheinen
b‘ : Wiederholpräzision in gleicher Einbaustellung
Repeatability in the same mounting position
b : Vergleichspräzision in verschiedenen Sensoreinbaustellungen /
Reproducibility in different sensor mounting positions
bL : Hebellängeneinfluss
Effect of the lever arm length
bV: Einfluss des Verbindungsprofils
Effect of the connecting profile
r : Auflösung inkl. Schwankung
Resolution incl. fluctuation
h : Umkehrspanne
Reversibility
fa : Regressionsabweichung
Regression deviation
fq : Anzeigeabweichung
Indication deviation
f0 : Nullpunktabweichung
Zero-point deviationLeistungsumfang / Kalibriermöglichkeiten im akkreditierten Bereich
Messkabel
Für die Kalibrierung ist das passende Original‑Messkabel erforderlich, da abweichende Kabel die Messergebnisse verfälschen können. Bei offenen Kabelenden werden ein Datenblatt sowie eine eindeutige Pin‑Belegung benötigt.
Verpackung & Transport
Messmittel sind für den Transport sicher und stoßgeschützt zu verpacken. Der Rückversand erfolgt in der Originalverpackung. Die Versandkosten trägt der Auftraggeber. Als Versandarten stehen UPS, TNT oder ein vom Kunden organisierter Transport zur Verfügung.
Bestellablauf
Zur Abwicklung eines Kalibrierauftrags benötigen wir eine verbindliche Bestellung mit Angabe von Gerätetyp, Seriennummer, Bestellnummer sowie der gewünschten Kalibrieranforderung. Die durchschnittliche Durchlaufzeit beträgt 10–15 Werktage ab Wareneingang. Für eine verkürzte Bearbeitungszeit ist eine vorherige Terminvereinbarung möglich. Bitte senden Sie uns das Kalibrierequipment vollständig zu, um Rückfragen und Nachsendungen zu vermeiden.
Vor-Ort-Kalibrierung
Vor‑Ort‑Kalibrierungen werden nur in begründeten Ausnahmefällen durchgeführt, da im Labor optimale Bedingungen für Präzision und Qualität gewährleistet sind. Ein Ausnahmefall liegt vor, wenn die zu kalibrierenden Geräte nicht transportabel sind oder die erforderliche Belastungsgröße in unserem Labor nicht abgedeckt werden kann.
Passfedern
Passfedern sind vor der Einsendung zu entfernen. Falls dies nicht möglich ist, muss eine geeignete Sonderadaption bereitgestellt werden; hierfür können zusätzliche Kosten entstehen. In jedem Fall erfolgt vorab eine Rücksprache mit dem Kunden. Für das Entfernen von Passfedern durch unser Haus übernehmen wir keine Haftung; eventuell anfallende Zusatzkosten werden vorab kommuniziert.
Kennzeichnung von Vierkantpositionen
Die Vierkantpositionen bei Drehmoment‑Transferschlüsseln beziehen sich auf die unterschiedlichen Einbaustellungen, in denen der Schlüssel eingesetzt werden kann. Da die Norm keine festen Vierkantpositionen vorgibt, können individuelle Kundenwünsche berücksichtigt werden. Diese sollten sich am konkreten Anwendungsfall orientieren, um praxisnahe und belastbare Messergebnisse zu gewährleisten. Die Kennzeichnung der Vierkantpositionen ermöglicht zudem eine bessere Vergleichbarkeit mit früheren Messergebnissen.
Justage
Eine Justage ist auf Kundenwunsch möglich, sofern das Gerät durch uns justierbar ist. In besonderen Fällen benötigen wir eine spezifische Anleitung, die wir bei Bedarf beim Kunden anfordern. Bitte beachten Sie, dass für eine Justage zusätzliche Kosten entstehen können.

